Der Verstand ist ein Diener kein Herr

Vieles was wir entscheiden müssen, kann nicht alleine mit unserem Kopf entschieden werden. Woran liegt dies? Unser Kopf, der Verstand verfolgt primär ein Ziel, er will überleben. Auf der Ebene des Verstandes ausgedrückt, bedeutet dies, er will Recht haben. Für den Verstand bedeutet also Recht haben, dass er um sein Überleben kämpft. Wann hat der Verstand Recht. Er hat Recht, wenn die Informationen, die er abgespeichert hat, mit dem übereinstimmt, was er im Moment registriert. Das heißt, der Verstand ist gemacht aus Erinnerung an frühere Erfahrungen.

Der Verstand selbst kann keine neue Erfahrungen machen. Er kann Erfahrungen, die wir machen nur abspeichern. Er ist ein Speicher, kein Schöpfer. Das Neue kann nicht aus dem Alten entstehen. Deshalb gibt es einen natürlichen Widerstand des Verstandes gegen das Neue. Er kann nur eines tun. Das Neue integrieren. Doch er wehrt sich dagegen. Je ähnlicher das Neue dem ist, was er schon kennt, desto weniger wehrt er sich dagegen. Je fremder es für ihn ist, desto größer sein Widerstand.

Diesen Widerstand unseres Verstandes gegen das Neue erleben wir als Unbehagen, das bis zur Panik reichen kann. Unser Verstand sagt uns dann z.B.: "Das kenne ich nicht, das macht mir Angst. Lass uns zum Bekannten zurückkehren, sonst passiert uns vielleicht etwas." Für den Verstand zählt nicht die Qualität dessen, was er kennt, sondern nur die Tatsache, ob er es schon kennt. Bekanntes liebt er und Unbekanntes lehnt er tendenziell ab. Er tendiert dazu Neues dem Bekannten anzupassen, indem er zum Beispiel Aspekte des Neuen umdeutet, verfremdet oder mit etwas in Verbindung bringt, das nichts mit der Wirklichkeit des Neuen zu tun hat.

Wenn es um Neues geht, sollten wir nicht dem Verstand das Feld überlassen. Er kann uns dienen und ist sehr wichtig für unsere Planung, geht es aber um das Neue, um Schöpfung, dann ist er ziemlich nutzlos oder sogar sehr kontraproduktiv. Der Verstand sollte immer unser Diener sein, niemals unser Herr. Der Verstand bezieht sich auf Logik und Argumente, doch nutzt er nur die Logik und die Argumente, die er kennt und die in seine Sicht der Dinge passen. Er will Recht haben, denn das sichert sein Überleben. Wenn er nicht Recht hat, verliert er den Kopf. Er dreht durch.

Wirkliche Veränderungen in unserem Leben passieren jenseits oder trotz unseres Verstandes, jedoch nicht wegen ihm. Zum Glück schläft unser Verstand oft. Eingelullt von seinem Glauben alles im Griff zu haben. Das Leben funktioniert aber nicht wie unser Verstand das will. Es wirft ihm Steine in den Weg über die er stolpert. Aufgeschreckt aus seinem Dämmerschlaf bombardiert er uns mit Argumenten, warum das Neue nicht in unser Leben passen kann, warum es besser ist alles beim Alten zu lassen. Er brüllt es in unser Ohr und zeigt uns Bilder des Schreckens, der Not und sogar des Todes.

Doch wenn wir uns nicht abhalten lassen, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren und die neue Erfahrung anzunehmen. Er hat keine Chance, egal wie laut er brüllt, solange wir dem vertrauen, was uns zum Neuen hinzieht, unsere Offenheit, unsere Gefühle, unsere Abenteuerlust, unsere Neugierde, unser Wunsch nach Erfüllung, unsere Intuition, unsere Sehnsucht, unsere Freude, unsere Schöpferkraft und unsere Liebe.

Der Verstand ist unser Diener nicht unser Herr. Er ist konservativ wie ein Butler, wenn er weiß, wer der Herr ist, ist er eine wunderbare Hilfe.


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