Enttäuschung

Enttäuschung kommt von tauschen. Wir können sie nur bekommen, wenn wir für das, was wir tun etwas erwarten. Wir möchten also einen Tausch machen. Wenn wir aber nicht den Gegenwert erhalten, den wir für unser Geben erwartet haben, sind wir enttäuscht. Wir haben einen schlechten Tausch gemacht.

Tatsächlich leiden wir unter Enttäuschung. Enttäuschungen haben die Eigenschaft sich anzusammeln. Es ist fast so, als hätten wir irgendwo in uns einen Ort, wo wir Enttäuschungen sammeln könnten. Wenn wir eine neue Enttäuschung erfahren, also einen schlechten Tausch gemacht haben, gehen wir zu diesem Ort, wo die alten Enttäuschungen liegen und weil wir schon mal dort sind, schauen wir uns diese auch gleich wieder an. Dadurch fühlt sich unsere neue Enttäuschung noch enttäuschender an. Eigentlich hätten wir es doch besser wissen müssen, da liegen die ganzen alten Enttäuschungen und wieder haben wir uns aufs Glatteis führen lassen.

Wäre es nicht schön, wenn es ein Mittel geben könnte, weitere Enttäuschungen zu vermeiden? Und was können wir mit den alten Enttäuschungen machen? Sicher können wir daraus lernen. Und wir können Sie entsorgen, so wie Altpapier. Wir sollten sie nicht in unserem Inneren aufbewahren, denn sie versperren uns den Weg. Wir schauen sie uns vielleicht nochmals an, fühlen vielleicht noch ein letztes Mal den Schmerz, den sie uns bereitet haben und dann geben wir sie ins Altpapier. Weg damit!

Aber wie können wir weitere Enttäuschungen vermeiden? Da gibt es nur eine Lösung, wir hören auf zu tauschen. Wir geben und zwar bedingungslos. Wir erwarten keine Gegengabe. Und dies gilt für alles, wo wir enttäuscht werden können. Das Geben kann uns nicht enttäuschen. Nur das Bekommen kann uns enttäuschen und nur dann wenn wir erwarten etwas bestimmtes zu bekommen. Ein altes Sprichwort lautet: "Geben ist seliger, denn nehmen."

Bedeutet dies, dass wir nichts mehr bekommen sollen, dass wir nichts mehr nehmen sollten. Nein, das bedeutet es nicht. Es bedeutet nur, dass wir nicht mehr erwarten etwas Bestimmtes zu bekommen, wenn wir etwas geben. Wir geben die Erwartung auf. Wenn wir jemandem zuhören, erwarten wir nicht, dass er uns zuhört. Wenn wir jemandem den Vortritt geben, erwarten wir nicht, dass er uns später auch den Vortritt gibt. Wir geben um des Gebens Willen und nicht um des Nehmens Willen.

Wir erwarten keinen Dank. Wird er uns gegeben, nehmen wir ihn dankbar als ein Geschenk an und nicht als einen Lohn. Niemand schuldet uns mehr etwas. Wir schenken und werden beschenkt ohne es zu erwarten. In dem Moment, wann es uns gelingt, ohne Erwartung zu handeln, ist unser Handeln frei. Und wenn unser Handeln frei ist, sind wir frei. Wenn wir frei sind in unserem Handeln, dann sind auch die Ergebnisse unseres Handelns frei. Sie sind an keine Bedingungen geknüpft, es gibt keine Erwartungen, es gibt keine Enttäuschungen.

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